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Windräder - Nerviger Ritt auf der Ökowelle

„Ich bin der Wald, ich bin uralt…haltet mich wert“. Doch Wald ist nicht gleich Wald. In Nordrhein-Westfalen gibt es „nicht wertvolle“ Gebiete, z.B. Tannenbaumwälder oder durch Kyrill geschädigte Flächen, die ins Visier der Energie-Beauftragten geraten sind. Auf solchen Flächen dürfen Windparks entstehen, 103 sind in Planung, bestätigt das Umweltministerium. Ein Tabu, dass Wälder vor solchen Anlagen geschützt hat, wurde mit dem Windenergieerlass 2011 gebrochen. Ein Konflikt nach dem Motto „Ökologie gegen Ökonomie“ sei nicht gegeben, betont Pressesprecher Frank Seidlitz. Ganz anders sehen es die Menschen vor Ort. Erheblichen Widerstand gibt es in der Eifel. Da heißt Windkraft „Subventionsmaschine“. Ehemalige Wanderwege wurden gepflastert, um an die bis zu 200 Meter hohen Kraftwerke zu kommen. Die Rotorblätter haben einen Durchmesser von 120 Metern und mehr. Die Teile beherrschen inzwischen das Landschaftsbild, so die Initiative „Sturm im Wald“ aus der Vulkaneifel. Der Vorwurf lautet, dass sich Unternehmen und Gemeinden die Anlagen bauen, weil „viel Bares“ fließt. Fakt aber ist, dass der Strom weder gespeichert werden kann, noch die Technik so weit ist, dass komplett auf Atom-, Kohle- oder Gas-Energie verzichtet werden könnte. Warum werden unsere Wälder trotzdem „verspargelt“,  fragen inzwischen auch der BUND und einige Politiker. Das Land NRW unter Rot-Grün will in den nächsten sechs Jahren den Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung von vier auf 15 Prozent steigern. Die Einspeisung ins Netz ist Sache der Betreiber und findet auffragwürdige Weise statt. Denn dafür müssen entweder Trassen gebaut oder unterirdische Kabel verlegt werden. "Wenn wir die Energiewende haben wollen, brauchen wir diese Netze“, sonst werde mit viel Geld geförderter Ökostrom produziert, der nicht abtransportiert werden kann, weiß Tennet-Geschäftsführer Hartman. Um den zunehmenden Windstrom von Nord- und Ostdeutschland in den Süden zu transportieren, sollen nun drei große Stromtrassen mit insgesamt 2800 Kilometern Länge gebaut werden. Zudem sollen im bestehenden Höchstspannungsnetz 2900 Kilometer für die je nach Wetter schwankende Ökostrom-Einspeisung optimiert werden. Planungs- und Bauzeiten sollen dabei von zehn auf vier Jahre verkürzt werden. Die Kosten für die 36 Projekte betragen rund zehn Milliarden Euro, ohne die Zusatzkosten für Erdverkabelungen auf einzelnen Trassenabschnitten, berichtet die Bundesnetzagentur. Doch die Trassenpläne stoßen bereits jetzt auf massiven Widerstand. In Bayern kündigte Ministerpräsident Horst Seehofer an, dass er alles daran setzen und "alle Register ziehen" werde, dass die Stromtrasse nicht gebaut wird. "Wir wären von allen guten Geistern verlassen, wenn wir diese wunderschöne Landschaft beschädigen oder zerstören würden", so Seehofer.  Ohne maßgeschneiderte Stromnetze verpufft die produzierte Windenergie aber nahezu im Nirgendwo. Erste Betreiber und Investoren, die an den Küsten zu den Vorreitern der Energiewende zählten, sind insolvent. Eine Handelsblatt-Studie empfiehlt, die Bundesregierung und die Europäische Kommission sollten „mehr Geld für die Erforschung und Entwicklung neuer Energietechnologien“ ausgeben. Die Autoren weisen darauf hin, „dass Durchbrüche in der Speichertechnik etwa dazu führen könnten, dass die Energiewende viel schneller und kostengünstiger gelinge. Die Politik neige grundsätzlich dazu, den Beitrag des technologischen Fortschritts bei der Bewältigung von Herausforderungen wie dem Klimawandel zu unterschätzen. Eine statische Energiewendestrategie wäre entsprechend grundfalsch.“ Bevor also mit Hochdruck die Windräder in die Landschaft gesetzt werden, wäre zu klären, wie der dort produzierte Strom überhaupt aus der Steckdose des Verbrauchers kommen kann, meinen Beobachter. Denn letztlich ist es der gutgläubige Verbraucher, der das Ganze mit seinen Steuern und privaten Stromrechnungen zu finanzieren hat.

 

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